Ein Mallorca, das ruhig ist — Costa de la Calma im Mai
Der Mai ist die beste Reisezeit für Mallorca, die kaum jemand nutzt. Die Mandelblüte ist vorbei, die Sommertouristen sind noch nicht da. Das Meer hat 19 Grad — kalt genug, um wach zu werden, warm genug, um eine Stunde drin zu bleiben. Und die Einheimischen haben die Insel noch nicht an die Saison abgegeben.
Costa de la Calma liegt im Südwesten, zwischen Santa Ponsa und Peguera. Kein Partybetrieb, keine Kreuzfahrtschiffe. Stattdessen: schmale Buchten, lokale Restaurants, und eine Stille am frühen Morgen, die man auf Mallorca im Juli nicht mehr findet.
Die Buchten: Portals Vells und Cala Fornells
Portals Vells ist eine der am wenigsten bekannten Buchten auf Mallorca — das liegt daran, dass der Weg dorthin ungeteert ist und die meisten Navigationsgeräte ihn als Feldweg ausweisen. Genau das ist der Grund, warum es hier im Mai noch ruhig ist. Türkisblaues Wasser, Felsen, eine kleine Felsenkirche aus dem 16. Jahrhundert (Oratori de Portals Vells), die direkt in den Stein gehauen ist, und ein kleines Café, das Aperol und frischen Tintenfisch verkauft.
Das Wasser in Portals Vells ist flach, klar und gut geschützt vor Wind — ideal für Schnorcheln. Im Mai schwimmen noch keine Quallen. Im August schon.
Cala Fornells liegt ein paar Kilometer weiter nördlich, direkt bei Peguera. Kleine Bucht, altes Fischerdorf, und mittlerweile auch ein paar gute Restaurants mit Terrasse über dem Wasser. Mittags kommt hier kaum jemand — die meisten Touristen sind zu dieser Zeit in den Strandbars der Hauptstraße. Wer um 13 Uhr kommt, bekommt den besten Tisch.
Boot mieten: Ohne Führerschein ab Costa de la Calma
Im kleinen Hafen von Peguera kann man Motorboote ohne Führerschein mieten — meist für den halben oder ganzen Tag. Damit ist man frei: raus zu den Buchten, die man mit dem Auto nicht erreicht, Anker werfen, schwimmen, Pause machen. Im Mai sind die Boote oft noch verfügbar, ohne Wochen im Voraus buchen zu müssen — ein Luxus, den man im Juli vergessen kann.
Empfehlung: Früh aufbrechen. Die Bucht Cala en Baster liegt nur zwanzig Minuten mit dem Boot entfernt — dort kommt man mit dem Wagen nicht hin. Eine weitere Option ist Cala Marmols auf der Südspitze, weiter entfernt, aber lohnt sich für einen vollen Tag auf dem Wasser.
Bootsmietpreise im Mai: rund 120–180 Euro für einen halben Tag, ohne Führerschein und Einweisung inbegriffen. Sprit ist oft extra.
Bauernmärkte: Sa Pobla und Sineu
Zwei Märkte, die den Ausflug ins Inselinnere rechtfertigen.
Der Markt in Sa Pobla (jeden Sonntag) ist einer der wenigen, auf dem noch wirklich gehandelt wird — Gemüse aus dem fruchtbarsten Anbaugebiet Mallorcas, Bergkäse, lokale Würste (Sobrassada und Botifarrón), getrocknete Feigen und ein paar Gewürzkräuter, die man beim Discounter nicht findet. Nicht für Touristen gemacht, aber offen für alle, die früh genug kommen. Um 9 Uhr ist der Markt in vollem Betrieb, um 12 Uhr ist er vorbei.
Sineu hat mittwochs den ältesten Wochenmarkt der Insel. Das Dorf liegt im geografischen Mittelpunkt Mallorcas, was erklärt, warum der Markt hier seit dem Mittelalter stattfindet. Der Viehmarkt auf dem oberen Platz ist etwas für frühe Aufsteher — lebende Tiere, lautstarke Händler, ein Spektakel. Der Gemüse-, Keramik- und Textilmarkt unten läuft bis Mittag. Danach: Café amb llet und ein Bocadillo in der Bar auf dem Hauptplatz.
Essen: Ca Na Toneta und Restaurant Foners
Wer einmal wirklich gut essen möchte: Ca Na Toneta in Caimari (im Norden der Insel) gilt als eines der besten Restaurants für mallorquinische Küche — kein Touristen-Menü, sondern echte Inselküche nach Saison, serviert von den Schwestern Tomàs. Reservierung Wochen im Voraus notwendig, besonders im Mai, wenn viele Insel-Insider kommen. Die Fahrt von Costa de la Calma dauert knapp eine Stunde, ist aber jeden Kilometer wert.
Näher an der Küste: Das Restaurant Foners in Santa Ponsa hat eine Terrasse über dem Wasser und ein einfaches, solides Tagesmenü — Fisch nach Tagesangebot, Salat, ein Glas Wein. Kein Sterneanspruch, aber ehrliche Küche.
Warum der Mai der richtige Monat ist
Die Mandelblüte im Februar zieht Fotografen an. Der Juli und August bringen die Strandurlauber. Der Herbst ist bekannt bei Radfahrern.
Im Mai ist Mallorca für alle anderen. Die Einheimischen haben die Insel noch nicht an die Saison abgegeben. Die Preise liegen rund dreißig Prozent unter dem Hochsommerpreis. Und die Stille am frühen Morgen in Portals Vells, wenn das Wasser glatt liegt, die Felsen ins Licht wachsen und noch kein anderes Boot in Sicht ist — die findet man im August nicht mehr.