Drei Tage am Schliersee — ohne Auto
Es gibt Reisen, die man immer wieder macht. Der Schliersee ist eine davon. Nicht wegen der Sehenswürdigkeiten — davon gibt es keine, die einen zwingt, früh aufzustehen — sondern wegen der Langsamkeit. Das Wasser, die Berge, das Wirtshaus am Abend. Und diesmal: alles ohne Auto.
Mit der BOB nach Schliersee
Die Bayerische Oberlandbahn fährt stündlich ab München Ostbahnhof. Umstieg in Holzkirchen, weiter bis Schliersee — Fahrzeit rund eine Stunde und zwanzig Minuten. Wer am Freitagabend kommt, sitzt mit Wanderern, Familien und ein paar Stammgästen im selben Abteil. Der Bahnhof liegt direkt am Ortsrand, fünf Minuten zu Fuß bis zum Seeufer.
Wer mit der Bahn statt mit dem Auto kommt, merkt sofort: Das Ankommen fühlt sich anders an. Kein Parkplatz suchen, kein Gepäck verstauen. Koffer aufnehmen, zehn Minuten laufen, See sehen. Fertig. Das Beste: Vom Bahnhof aus braucht man für keines der klassischen Ziele ein Auto. Alles ist zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Bus erreichbar.
Am Ufer: Der Seeweg nach Fischhausen
Der Weg rund um den Schliersee ist gut ausgeschildert und größtenteils flach. Auf der Westseite, zwischen Schliersee und Fischhausen-Neuhaus, läuft man direkt am Wasser entlang — schmale Pfade, alte Stege, manchmal ein Boot, das im Morgengrauen losfährt. Dieser Abschnitt ist besonders ruhig, weil ihn kaum jemand kennt, der nicht schon öfter hier war.
Am Steg in Fischhausen gibt es ein paar Liegestühle. Wenn es warm ist, lohnt sich der Sprung ins Wasser. Der Schliersee hat Trinkwasserqualität — kein Scherz, das Gesundheitsamt misst regelmäßig. Im Sommer erreicht das Wasser knapp 22 Grad, im Frühsommer noch etwas kühler. Erfrischend auf jeden Fall.
Der Rückweg auf der Ostseite führt durch Ortsteil Schliersee-Westenhofen — hier gibt es ein kleines Café, das bis 17 Uhr geöffnet hat und einen Kuchen macht, der es wert ist, den Umweg zu nehmen. Keine Anzeigen, kein Instagram — einfach ein Schild an der Straße und ein paar Tische im Garten.
Essen: Wirtshaus am Steg und Weißbräu Schliersee
Zwei Adressen, die man kennen muss. Das Weißbräu Schliersee in der Ortsmitte braut sein eigenes Bier — das Schlierseer Dunkel ist im Winter besonders empfehlenswert, das Helle im Sommer genau richtig. Der Obatzde kommt in der richtigen Konsistenz, und die Terrasse hat Blick auf den See. Mittags voll, abends etwas ruhiger. Wer rechtzeitig kommt, bekommt einen der Tische mit direktem Seeblick.
Das Wirtshaus am Steg ist kleiner, persönlicher, und die Karte wechselt nach Saison. Im Mai gibt es Spargel aus dem Inzeller Moor, im Oktober Wildgerichte aus der Region. Die Wirtin kennt jeden Stammgast beim Namen, was für sich schon ein Zeichen ist. Reservierung empfohlen — nicht weil es so bekannt ist, sondern weil es so klein ist.
Für den Morgen: Die Bäckerei Pichler am Kirchplatz öffnet um 6:30 Uhr. Semmeln, Butter, ein Kaffee auf der Bank vor der Bäckerei. Das ist der richtige Tagesanfang.
Übernachten direkt am Wasser
Wer früh genug bucht, bekommt bei stayFritz eines der Zimmer mit Seeblick im Hotel Das Maximilian — ein historisches Haus, das seit Generationen in Familienbesitz ist. Frühstück auf der Terrasse, die Berge spiegeln sich im Wasser, der Steg liegt fünfzig Meter entfernt. Das Haus hat keinen Pool, keinen Spa-Bereich und keine Hotelbar mit DJ — und genau das ist der Grund, warum Stammgäste seit Jahren wiederkommen. Das ist Schliersee, wie es sein soll.
Für die Wanderfreudigen: Auf den Brecherspitz
Wer einen halben Tag übrig hat: Der Brecherspitz (1.683 m) ist von Schliersee aus gut erreichbar. Ab Bahnhof Schliersee nimmt man den Bus Richtung Spitzingsee bis zur Haltestelle Brecherspitz — dann zu Fuß, je nach Route zwei bis drei Stunden. Wer die Nordroute nimmt, läuft durch Wald und kommt erst kurz vor dem Gipfel ins Freie. Die Süd-West-Route bietet früher Ausblick, ist dafür etwas steiler.
Der Ausblick oben: Schliersee, Tegernsee und Chiemsee gleichzeitig, an klaren Tagen bis zum Watzmann. Die Bergstation Spitzingsee bietet Einkehr nach dem Abstieg.
Rückfahrt abends mit der BOB — angenehm müde, ohne Stau, mit Blick auf die Abenddämmerung über den Münchner Vororten.
Was du mitnehmen solltest
Eine gute Wanderkarte (oder die Bayern Atlas App), feste Schuhe für den Brecherspitz, einen Badeanzug für den Steg, und Bares für das Wirtshaus — viele nehmen noch kein Kartenterminal. Sonnencreme, auch wenn die Berge nicht nach Sonne aussehen. Und eine leichte Schicht extra, weil es oben immer kühler ist als unten. Die Bahn fährt pünktlich. Du brauchst kein Auto.